1.6 Türkei Teil 1

Kleine Herde trifft auf grosse Herden

Auf der Reise durch die dem Mars ähnliche Steppenlandschaft der Zentraltürkei zeigte sich uns das volle, braune Farbenspektrum der Natur mit ihren Farbnuancen. Wir wurden Zeuge von zartem Haselnussdeckelbraun, kräftigem Braunbärenbauchbraun, abgenutztem Fusssohlenbraun, liebevollem Schokoladenbraun mit 97% Kakaoanteil, verspieltem Rostbraun, gesättigtem Brattensaucenbraun oder Weisstannenholzparkettbodenbraun. Beim Durchstreifen dieser Farbenpracht erfreuten wir uns jeweils in der scheinbar unaufhörlichen Weite ab der grossen Schafherden am Wegesrande (oder teils auch auf dem Weg). Denn die Hirten haben uns ausnahmslos auf grosse Distanz und aus vollster Kehle auf türkisch zugerufen. Gleichermassen riefen wir in den Wind. Abwechselnd posaunten wir uns herzlich mehr oder weniger in einer beliebigen Sprache etwas zu. Man verstand sich keines Wortes. Aber trotzdem schienen alle beglückt ab der willkommenen Abwechslung in der schmucklosen Steinwüste. Zu guter Letzt folgte ein ausgiebiges Winken fast bishin zum Abfallen der Glieder und die Weiterfahrt durch die Steppe bis zum nächsten Schafhirten.

Weniger ist mehr

Für die Ferien in der Schweiz haben wir bereits mehrmals ein einfaches Rustico gemietet ohne fliessend warmes Wasser, mit Holzofen und fern von luxuriösen Bedürfnissen. Für eine Woche zurück zu einem archaischen Lebensstil. Entschleunigung und ein Ausgleich zum durchgetakteten Alltag. Hier in der Türkei leben die Menschen teilweise ohne die Wahlfreiheit zu haben in diesen einfachsten Verhältnissen, wofür wir in der Schweiz bereit sind, mehrere hundert Franken hinzublättern. Wir betrachten es vermutlich als ein puristisches Abenteuer, um das Leben in seiner kargen Nacktheit zu erfahren. Wir bezahlen, um wenig zu haben. Wir bezahlen, um sich mehr als Teil der Natur zu begreifen und weniger der luxuriösen Gesellschaftsordnung. Aber missen möchten wir letzteres dann doch nicht, denn das Ganze bereitet nur solange Freude, wie man weiss, dass diese kostenpflichtige Erfahrung zeitlich absehbar ist und wir wieder zurück in den gewohnten Wohlstand mit fliessend warmen Wasser, Heizung etc. gehen können. Wahrscheinlich möchten wir mit dieser Ferienform dem Einfachen im Alltag wieder mehr Bedeutung zumessen können. Man kann aber auch sagen, dass wir viel Geld bezahlen, um in ärmlichen Verhältnissen zu leben. Irgendwie schräg. Dafür vielleicht reich an Erfahrung, indem partiell das Leben in seiner Einfachheit kennengelernt werden kann analog unserer Fahrradreise in der Türkei.

Türkei auf Band

Nachfolgend haben wir ein Filmchen aufgezeichnet von der Strecke zwischen Fethiye bis nach Kirsehir – von der sommerlichen Südküste zum winterlichen Hochplateau.